Symposion

Das Mahnmal

12. 04. 2002, 14.00 Uhr

Vorträge: 14.00 – 18.30 Uhr

Renata Stih: Orte des Erinnerns: Zur Kunst- und Denkmalsdiskussion im demokratischen Staat

Thomas Zaunschirm: Vergessene Erinnerungen – Konjunktur und Logik von Denkmälern

Markus Wailand: "Sie sind kreativ, dynamisch und haben erstklassige Umgangsformen" – Jobdescriptions für DenkmalkünstlerInnen

Oliver Marchart: Die Macht der Monumente. Vergangenheitspolitik zwischen hegemonialer und aufständischer Erinnerung

Podiumsdiskussion: 19.00 Uhr
Heinz Schaden
Barbara Wally
Susanne Neuburger
Pater Mennekes
Heinz Strotzka
Heimo Zobernig
Moderation: Katharina Blaas-Pratscher

Konzeption: Hildegard Fraueneder
Organisation: Gisela Fischer, Hildegard Fraueneder

Die Stadt Salzburg hat im vergangenem Jahr, zurückgehend auf einen Gemeinderatsbeschluss, einen Internationalen Wettbewerb zur Errichtung eines Antifaschismus-Mahnmal auf dem Salzburger Bahnhofsvorplatz ausgeschrieben. Die Jury hat das von Heimo Zobernig vorgeschlagene Projekt als Siegerprojekt bekannt gegeben.

Nach einer großen Denkmal-Skepsis in den 60er und 70er Jahren verbunden mit einem Misstrauen gegenüber Pathos und einem allgemein verbindlichen Geschichtsbild sind in den letzten beiden Jahrzehnten in vielen Städten Mahnmale errichtet worden. In den meisten Fällen waren diese von intensiven und oft auch heftigen Debatten begleitet, die nicht unwesentlich zu einer Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Anlass und in Folge zu einer Ablehnung, aber auch zur Akzeptanz beigetragen haben, da im Prozess der
Diskussion Wissen vermittelt und Standpunkte geklärt werden konnten. Die Diskussionen um die "richtige" Form des Erinnerns an die Naziverbrechen, der Streit um eine so oder anders betriebene Planung hat leider oftmals die wesentlichen Fragen nach der Notwendigkeit und auch Wirksamkeit überdeckt.

In diesem Zusammenhang ging es immer wieder auch um die grundsätzliche Frage nach der künstlerischen Gestaltbarkeit eines Mahnmales, eines Erinnerungsortes, der traditionell als physisch stabile und statische Dignität aufgefasst wurde. Engagierte Diskussionen riefen zumeist jene Projekte hervor, die sich einer statuarischen Illustrierung verweigern und versuchen, mit transitorischen Mitteln einer "Möblierung" entgegenzuwirken. Sie intendieren weniger ein moralisierendes Gedenken denn aktivierende Denkanstöße zu geben. Betroffene und VertreterInnen der Opferverbände wiederum sehen in solchen künstlerischen Konzepten ihre Anliegen zunehmend ausgeblendet, Baubehörden und politisch Verantwortliche fühlen sich
angesichts prozesshafter Konzeptionierungen überfordert.

Dieses Symposion thematisiert in unterschiedlichen Beiträgen die Frage, wie mit Hilfe eines Mahnmales Gedenken gestiftet, bewahrt und kultiviert werden kann und welche Rolle dabei der Kunst, den KünstlerInnen zufällt. Was wird von der Kunst erwartet, was an sie delegiert? Darf dabei die Kunst noch als Kunst auftreten? Enthält jede künstlerische Bewältigung ungefragt und ungewollt einen Versöhnungsanteil, wie Dieter Hoffmann-Axthelm meint, und verlangt es uns deshalb nach diesen? Können Symbolisierungsweisen zu
Aktivierung und Einbindung in Lebensvollzüge beitragen oder wird das Gedenken über Mahnmale institutionalisiert? Wie kann verhindert werden, dass die Errichtung eines Mahnmales als Gelegenheit, die Last der Geschichte abwerfen zu können begriffen wird? Wie kann Erinnerung inszeniert werden, welches Dispositiv benötigt es, wie verhält sich eine "öffentliche Erinnerungstextur" zu einer privaten Verarbeitung, wie das Gedenken zu Erinnern?

Hildegard Fraueneder