Ausstellung

trust*us Die Kunst der Freundschaft

14. 09. 2018, 14.00 Uhr

von und mit
Iris Andraschek / Leonhard Besl / Die kleine Mama / Karin Fisslthaler / Dieter Kovačič/dieb13 & Martin Tétreault / Hermi / Thomas Hörl / Peter Kozek / Kurz/Sunkist / Marlies Pöschl & Les Maintenants / Lydia Nsiah / Hanna Schimek 
& Christina DePian & Gustav Deutsch / Robert Steijn & Ricardo Rubio

Der Ausgangspunkt der Ausstellung trust*us - Die Kunst der Freundschaft ist der Begriff der (Künstler*innen-) Freundschaft, der sowohl die Basis für die Entwicklung der gemeinsamen Ausstellung als auch den inhaltlichen Rahmen der gezeigten Arbeiten bildet. In dem Versuch der Materialisierung eines Begriffs, der sich einer festen Bestimmung verweigert, sehen die Künstler*innen eine Herausforderung, der sie sich in gemeinsamer Übereinkunft stellen wollen. Freundschaft soll als Potential dieser Ausstellung betrachtet werden, wie gleichzeitig das gemeinsame Vorhaben dazu genutzt wird, Freundschaften zu intensivieren, zu erweitern, zu reflektieren und auf die Probe zu stellen.
Prozess, Dialog, Korrespondenz und die wechselseitige Bezugnahme charakterisieren in diesem Sinn unsere Arbeitsweise, die mit den Mitteln der Collage, Montage, Aneignung, Aktualisierung und Umcodierung ihren Ausdruck findet.

Wie wollen wir leben, arbeiten, begehren und vor allem: Mit und für wen? Welche Beziehungsmodelle erscheinen uns als erstrebenswerte? Gibt es Formen 
des zugeneigten Zusammenlebens abseits des reinen Selbstzwecks - am Rande normativer Kategorien, Institutionalisierung und neoliberaler Ökonomien?

Als eine Konstante, eine seit der Kindheit bewährte Form des geistigen Begehrens, behaupten wir Freundschaft als queeres Idea: Freundschaft widersetzt sich im gegenwärtigen System der Normierung, Kategorisierung und der kapitalistischen Verwertungslogik und erfüllt gleichzeitig das individuelle Begehren nach vielfältiger Zuneigung und Zugehörigkeit. Anders als die Liebesbeziehung und Partnerschaft, schließen Freunde keinen Vertrag vor dem Staat, beschließen sich nicht durch ein vorgegebenes Zeremoniell, haben keine fixierte Dauer, stellen eigene Regeln und Codes auf. Freundschaft, so wie wir sie verstehen, beruht im besten Sinne auf Gegenseitigkeit, Freiwilligkeit und Gleichheit abseits kultureller oder sozialer Normen. Man kann Freundschaft denken als Remix der eigenen Person mit einer oder mehreren anderen, als modulares System, offener und geschlossener Kreis, als "Zu- und Aneig(n)ungs-Strategie".

Immer war und ist Freundschaft eine identitätsstiftende, prozessorientierte Beziehung, eine angenehme und unbequeme Ambivalenz, die alles sein und werden kann, aber nichts muss. So inflationär der Begriff Freundschaft in sozialen Netzwerken als schnelles ‚addenʼ oft Verwendung findet, so komplex und beachtenswert finden wir das reale Gewebe in all seiner Vielfältigkeit. Sowohl historisch als auch im Leben jedes*r Einzelnen werden in Kindheit, Jugend und Alter Freundschaften anders geschlossen und gepflegt, haben ihre eigenen Räume, Kulturtechniken (Brief, Gespräch, Chat), Zeichen und Wirkungen. Dies umfasst auch deren emotionale Kehrseiten des Ausschlusses, des Versprechens von Zugehörigkeit, der Abwesenheit und Einsamkeit, das Phänomen des Mobbings und der Vereinnahmung durch Gruppenbildung. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass immer wieder Kollektive, Gruppen, Bands und Institutionen ihren Ausgangspunkt im Verbund der Freundschaft fanden.

Text von Karin Fisslthaler, Thomas Hörl, Peter Kozek und Lydia Nsiah

Freitag, 14.09.2018, 14:00 - 22:00

ab 14:00
Peter Kozek, Die Kleine Mama (Performance, Installation)
Hermi, O.T. (Durational Performance)


ab 20:30: Kurz/Sunkist, *Women (A/V Live-Performance)