Ausstellung

Von (Nicht-)Orten und zufälligen Begegnungen

13. 05. - 24. 06. 2017

Eröffnung: Freitag, 12.5.2017, 19 Uhr

Teilnehmende KünstlerInnen:
Elisa Andessner (AT), Nataša Galečić (SRB), Eginhartz Kanter (AT), Sandra Kosel (AT), Jakob Schieche (AT), Florian Sorgo (AT), Kamen Stoyanov (AT), Stefan Wirnsperger (AT)

Der Parasit, als Metapher für das von Innen einwirkende Andere, wird in Kunst- und Kulturdiskursen bereits seit den 80er Jahren verhandelt. Unter diesem Begriff geraten künstlerische Praktiken in den Fokus, die parasitäre Strukturen nutzen, um die Vorstellung von Autorschaft zu unterlaufen. Kollaborationen entstehen, die nicht ex nihilo etwas erschaffen, sondern ihr Material in den gegebenen Verhältnissen und Strukturen finden (der Parasit kann ohne Wirt nicht überleben).
 Im Feld der politischen Philosophie spricht man vom antagonistisches Grundprinzip: Gemeinschaft entstehe erst durch die „Unversöhnbarkeit ihrer Differenzen“, ihrer Brüche und Transformationen. „Keine Demokratie ohne Achtung vor der irreduktiblen Singularität und Alterität. Aber auch keine Demokratie ohne ‚Gemeinschaft der Freunde' (koina ta philon), ohne Berechnung und Errechnung der Mehrheiten.“ (Derrida)

In der Ausstellung mit dem Titel „Von (Nicht-)Orten und zufälligen Begegnungen“ zeigen die eingeladenen künstlerischen Positionen Möglichkeiten auf, Strategien für eine Raumaneignung zu entwickeln. Diese werden in Auseinandersetzung mit urbanen Strukturen entwickelt, die als Untersuchungsfeld nicht von Außen mit einer Aneignungsstrategie konfrontiert, sondern subversiv von Innen besetzt werden. Die Arbeiten der Ausstellung fokussieren bei ihrer Untersuchung urbaner Strukturen auf ökonomische und räumliche Aspekte, die in einen Zusammenhang mit körperlichen und sprachlichen gestellt werden. Im Zentrum der Ausstellung steht die Frage nach der Rolle des Raums für soziale Praktiken und wie sich das Soziale im Raum manifestieren kann.

Hoch oben von einem Wolkenkratzer erscheint die urbane Struktur der Stadt als ein lesbares Textgewebe. Die Perspektive der Distanz ermöglicht, ein zeichenhaftes Abbild der Stadt wahrzunehmen. Das „reale“ System wird allerdings durch den Fußgänger/ die Fußgängerin erzeugt, die/der „den Text schreibt, ohne ihn lesen zu können“. Der Akt des Gehens wird zum Raum der Äußerung, indem Fußgänger durch die Bewegungsabläufe beim Gehen Bewegungsbahnen bilden, die die räumliche Veränderung formieren. „Das Gehen bejaht, verdächtigt, riskiert, überschreitet, respektiert etc. die Wege, die es ausspricht.“ Räumliches wird durch flüchtige Momente hervorgebracht, durch den Gehenden, der im Vorübergehen – in einer Fülle von Möglichkeiten – Raum generiert. (Michel de Certeau, Kunst des Handelns, 1988).